Pitt Moog – long-ago-painter

Einladung Kunst und Kultur im Museum Haus Hövener

Eine Hommage an Pitt Moog: 11.5.–12.8.2022, 59929 Brilon, Am Markt 14

Vom 11. Mai 2022 bis 12. August 2022 sind im Haus Hövener Museum Bilder des Malers Pitt Moog – Urgrund des Seins – zu sehen. Eine kleine Vernissage Renate Tomino-Moog – Auf den Spuren der frühen Jahre, Ilovik  – begleitet mit einer Auswahl ihrer Arbeiten die Ausstellung ihres Bruders Pitt Moog.


Pitt Moog hat sich mehr als 60 Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 2017 mit dem Grundthema Mythos, archaische Kulturen und dem Ursprung des Seins beschäftigt und ein Œuvre geschaffen, das durch Variantenreichtum und Intensität zwischen Ratio und archaischer Naivität zu finden ist. Sein Bildraum wird durch die Begegnung mit den Frühkulturen zu einem neuem Energieraum mit der Kraft und Magie der Zeugnisse prähistorischer Kultbilder.
Zur ständigen „Sammlung Pitt Moog“ im Haus Hövener Museum zeigt diese Retrospektive einen kleinen Querschnitt seiner Arbeiten und würdigt zugleich das große künstlerische Schaffen von Pitt Moog, der in vielen Ausstellungszyklen sein Werk als long-ago-painter vorstellte: Maler des Mythos, der Erde und der Schöpfung.


Die Arbeiten von Renate Tomino-Moog sind illustrative Fragmente jener Jahre des frühen Schaffens; realistische Momentaufnahmen des Seins und phantastische Darstellungen mythologischer Figuren. Dazu illustrierte Geschichten, inspiriert von Brecht, Dostojevski oder - wie hier zu sehen -  Literatur von Maxim Gorki.
Die Künstlerin starb 2014 auf der kleinen Insel Ilovik in Kroatien.


Besonderer Dank: Museum Haus Hövener, Brilon Kultour, Sparkasse Hochsauerland

Vita Prof. Pitt Moog 1932 - 2017 \ 1952-58 Studium HfBK Kassel bei Prof. Arnold Bode \ Studienstiftung des deutschen Volkes \ Auslandsstipendium der Studienstiftung, Paris \ Premio Marzotto, Rom \ Preis des Kulturkreises der Deutschen Industrie, Köln \ 1. Preis Bundesfinanzverwaltung, K.i.ö.R., Münster \ Prix du Jury de ministère de la Culture, Luxembourg \ Beteiligung an internationalen Ausstellungen, Premio Marzotto, Milano, Brüssel, Paris \ Deutsches Kulturinstitut, London \ III. Biennale de Paris \ L’art jeune contemporain, Paris \ documenta III, Kassel \ III. Biennale de Tokio IKI, Düsseldorf \ Art, Basel \ II. Biennale Européene des Neiges, Savoie-France \ 9. u. 20. Salon de Printemps, Luxembourg (Invite d’Honneur) \ Letzebuerger Artisten Center, Luxembourg \ III. u. V. Exposition Internationale d’Amiens, France \ Premio Europeo di Pittura, Mapello, Italien \ Paintings by German Artists, Kensington, UK \ Internationale Einzelausstellungen, Auszug: Leeds Institute Gallery, Leeds, UK \ Demarco Gallery, Edinburgh, UK \ Galerie Hermes, Lyon \ City Gallery of Art, Limerick, Ireland \ Guiness-Hop Store Gallery, Dublin, Ireland \ Kunsthaus Beim Engel, Luxembourg \ Galerie CIEC, Howald, Luxembourg \ Galerie Glaser-Cordier, Paris \ Metropole Arts Centre, Folkstone, UK \ Kult-Ur-Keller, Luxembourg \ Centre Culturel, Thionville, France \ Chateau Bourglinster, Luxembourg \
Seit 1964 ca. 160 Einzelausstellungen \ 2003 – 2011 kontinutierlicher Ausstellungszyklus Projekt Parousia, Brilon \ Pitt Moog lebte seit 1971 in Brilon in seiner Wassermühle

Dr. Siegfried Gnichwitz


Wer an die Vernunft glaubt, muss sie, wie der Gläubige seinen Gott, entschuldigen können. Und dies vor allem dafür, dass nicht alle an sie glauben.

(Adorno)


Pitt Moog: Bilder einer Krise? Oder: Die Sehnsucht nach dem Archaischen


Es gibt keine Analyse der gegenwärtigen Situation unserer Gesellschaft, in der nicht der Begriff der Krise eine bestimmende Rolle einnimmt. Dies bezieht sich keineswegs nur auf die materiellen Bedingungen, so wichtig sie im Einzelnen und für bestimmte Gruppen sein mögen, sondern in erster Linie auf die geistige Situation: Der Verlust klassischer Werte unserer abendländischen Tradition wird beklagt, Wertediskussionen werden gefordert, in Ethikkommisionen durchgeführt und reißen nicht ab. Auseinandersetzungen über den Sinn einer Utopie von einer vielleicht nicht besseren aber doch zu verbessernden Weltin, die den Gegebenheiten der Gegenwart und Zukunft besser entsprechen könnte, finden ununterbrochen statt. Zu einem unsere Situation kennzeichnenden Schlagwort ist das Wort Reform geworden, und mit diesem Wort werden nicht endende Diskussionen geführt. Kurz gesagt: Unsere Gesellschaft befndet sich im Umbruch. Altes und bisher Bewährtes beginnen sich aufzulösen, und Neues kündigt sich, wenn auch verschwommen, an.


Während die großen Kirchen mit ihrer Heilsbotschaft immer geringeren Zuspruch erfahren, werden ständig neue Heilsbotschaften geradezu inflationär angeboten: Esoterik unterschiedlicher Art hat Konjunktur. Alles wird angereichert durch fernöstliche Gedanken, durch vermeintlich keltisches Druidentum oder durch Fragmente eines Naturglaubens. Dabei werden die Gedanken der christlichen Religionen wie Steinbrüche für individuelle Glaubensinhalte benutzt. Wir leben offensichtlich in einem postmodernen Pluralismus des anything goes, und das Ergebnis ist eine Orientierungslosigkeit, aus der unterschiedliche, und zwar entschieden individuelle Wege herauszuführen scheinen. Die Sinnfrage bleibt virulent.


Von dieser krisenhaften Situation ist natürlich auch die Kunst erfasst, stellt sie uns doch in ihren Arbeiten ein repräsentatives Inventar unserer zeit und der gesellschaftlichen Mentalität sinnlich erfahrbar gewissermaßen zur Analyse zur Verfügung. Und wir können feststellen, dass sie auch heute wie in der Vergangenheit immer wieder herhalten muss als eine moderne Form eines Problemlösungsverfahrens, wie sie seit der Romantik im 19. Jahrhundert die Religion ersetzt. Der Künstler als Seher und Künder von Wahrheiten und als Priester, wie in Novalis und wie ihn Willi Baumeister für die Kunst nach dem letzten Krieg als einen „Statthalter höherer Gesetze“ forderte.


Der Blick auf die heutige Kunst zeigt eine Vielfalt an Stilen und Auffassungen, und wir stellen eine Gleichzeitigkeit unterschiedlicher und zum Teil konträrer Ismen fest. Neben dem wirklich Neuen ist Vieles in der zeitgenössischen Kunst bis auf wenige herausragende Beispiele wenig innovativ und stattdessen häufig ausgesprochen reaktionär. Formalistische Wiederholungen der so genannten konkreten Kunst, die sich, weil nicht mehr möglich, jeder Sinnfrage verweigern, kontrastieren mit der Belebung des Mythologischen, ohne dass es dieser Richtung aber gelänge, statt einer neuen individuellen Mythologie etwas Allgemeingültiges zu artikulieren.


Nun sind es beileibe nicht mehr großartige künstlerische Entwürfe einer Utopie einer besseren Welt und eines neuen Menschen, wie sie die Begründer der neuen Kunst der vollständigen Abstraktion vor dem ersten Weltkrieg noch zu entwerfen sich getrauten. Gingen diese utopischen Entwürfe einher mit dem totalen Bruch mit der traditionellen Kunst und dem Entwerfen eines vollständig neuen Formenkanons für die bildende Kunst, so erleben wir heute eine Rückkehr zu Älterem, und es wird wieder der Mythos beschworen. Es mag übertrieben sein, gleich von einem Kulturbruch zu sprechen, aber das eher gefühlte Unbehagen und die weniger rational begründbare Bedrohung, die von den Phänomenen der Globalisierung, Computerisierung und Modernisierung ausgehen, lassen unsere Traditionsgesellschaft einem Auflösungsprozeß entgegengehen, der als schmerzlich empfundene Veränderungen mit sich bringen dürfte.


Angesichts aber einer autonom werdenden Kunst, die sich ihrer eigenen Besonderheiten bewusst wird und die sich mehr und mehr von allen nicht ausgesprochenen kunstimmanenten Aufgaben befreite, verdampften allzu hohe Ansprüche, den neuen und damit besseren Menschen durch Kunst erziehen zu können. Ein konkrete Kunst wurde modern, in der Farbe nichts anders war als Farbe, Linie nur Linie und Fläche nur Fläche. Nicht mehr und nicht weniger.


Zugegeben: Eine vermeintlich sinnstiftende Kunst verschwand nicht, sondern gerade in den letzten Jahren wurde sie, wie das Phänomen Beuys es überzeugen zeigt, aktuell, und sie fand bedeutende Vertreter.


Das Individuelle und damit auch der Regionalismus feiern ihre Existenz im Ignorieren von Weltkunst, „Es ist für mich wichtig“ lautet das trotzige Bekenntnis des Künstlers, und seine Bilder sind seine Suche nach Sinn und seine Antwort auf die alten Menschheitsfragen. Und in diesem Sinn lassen sich vielleicht auch die Bilder Pitt Moogs befragen, die trotz ihres individuellen Duktus geradezu paradigmatisch für diese geistige Haltung und die Mentalität unserer Zeit und großer Teile unserer Gesellschaft stehen.


„Archaische Welten“ und „Echo der Mythen“ hießen Ausstellungen mit Bildern Pitt Moogs aus dem Jahr 2000. Es waren irrationale Bilder, mit denen der Künstler die Entwicklung seiner chthonischen Bilder fortsetzte, mit denen er 1964 auf der Documenta III für einiges Aufsehen gesorgt hatte. Es waren jene Jahre, in denen die Kunst nach dem Ende des Informel der 50er Jahre nach neuen Verfestigungen der sich mehr und mehr auflösenden Formen suchte. 1959 hatte Hans Platschek, selbst ein informeller Künstler, sein Buch „Neue Figurationen“ geschrieben und damit eine Tendenz der Kunst beim Namen genannt. Und ganz in diesem Sinne einer neuen Figuration tauchten in diesen Bildern Pitt Moogs aus dem erdigen Grund mythische Figuren auf, verfestigten sich, um aber auch wieder Teil des ganzen Bildgrundes zu werden „Ritzzeichungen“ entstehen, die Zeichen und Chiffren aufweisen, als ob sie eine, wenn auch verschlüsselte und heute nicht mehr lesbare Botschaft enthielten.


Es waren Gestalten, die an Gnome und Unholde, an Erscheinungen aus Mythen und Märchen erinnerten. Und so waren diese Bilder vielleicht auch so etwas wie das Beschwören von Vergangenem, dessen Verlust schmerzhaft empfunden wird. Mythen waren, wie uns die „Dialektik der Aufklärung“ gelehrt hat, die erste Form der Aufklärung selbst, indem sie das Rätselhafte benannten und damit zu bannen versuchten.


Rückkehr zum Mythos also als ein Vorwärts aus dem heraus, was uns die „instrumentelle Vernunft“ (Adorno/Horkheimer) eingebrockt hat. Das „Unbehagen in der Kultur“ (Sigmund Freud) feiert aufs Neue fröhliche Urstände. Nun lässt sich keineswegs leugnen, dass es für dieses Unbehagen gute Gründe gibt. Und so wird auch in den Bildern eines Pitt Moog ein wesentlicher Bestanteil unserer derzeitigen Mentalitätsstruktur dargestellt und repräsentatives Inventar unserer Zeit widergespiegelt.


Denn jeweils gegen die Zeit schwimmen wollen, die man als durchrationalisiert, von der Technik und dem schnöden Mammon bestimmt sich vorstellt, ist auch Ausdruck der Zeit. Aber man kann sich nur am Rand einer Gesellschaft mit all ihren meinetwegen beklagenswerten Erscheinungen bewegen, wenn es diese Gesellschaft gibt. Und mein Eindruck ist, dass dieser Rand breiter und gewichtiger wird; Beuys ist noch lange nicht vergessen, und seine esoterischen Gedanken, angereichert durch Christliche, fernöstliche Lehren und vor allem durch Anthroposophische, beeinflussen nach wie vor auch Künstler und Interpreten.

Es besteht kein Zweifel: In den Bildern Pitt Moogs äußert sich ein zeittypische Hang zu einem metaphysischen Überbau, und mit ihnen wendet er sich gegen das, was Max Weber die „Entzauberung der Welt“ genannt hat. Seine Bilder entfalten den Zauber der Rätselhaftigkeit, und zwar in einer perfekt gehandhabten Sprache einer scheinbar archaischen Primitivität: Das Tier, die Gottheit, für die eine Form gesucht wird, die gleichsam das Fremde in ihr uns nahe zu bringen versucht. In den letzten Bildern allerdings sind auch die letzten Personifizierungen mythischer Erscheinungen verschwunden, alles Leben ist gewichen beziehungsweise harrt des Entstehens, und der Künstler hat sich in eine Welt gegeben, für die es so gut wie keine Vorstellungen eines vormenschlichen Lebens, vielleicht überhaupt keines Lebens gibt.


Die Ästhetik mythischer Figuren ist in den neuen Bildern abgelöst worden von einer Ästhetik nicht nur einer vermeintlich vorgeschichtlichen Welt, sondern es werden Bilder entworfen, die dem Leben selbst in seiner minimalsten Form vorausgehen.


Ist diese noch „tote“ Welt gewissermaßen am Vorabend des göttlichen Hauchs des Lebens endlich die heile Welt, nach der wir uns sehnen? Damit wäre aber die Flucht aus der für unerträglich gehaltenen Gegenwart eine vollkommene. Sind diese Bilder die Antwort auf unsere Gegenwart? Oder wird hier der endgültige Abschied von der Überzeugung ästhetisch zelebriert, dass wir es mit der Vernunft auch nicht besonders weit gebracht und vor allem nicht besonders gut gemacht haben. Ist es ein Suchen nach Quellen für eine bessere Bewältigung unseres Lebens in einer Welt, die unter der Rationalität zu ersticken droht und in der wir die Vernunft nur instrumentalisiert haben für einen technologischen Fortschritt, der die Seele im Zeitalter der industriellen Revolution unberücksicht gelassen hat. Wie es Günther Anders in seinem Buch „Die Antiquiertheit des Menschen“ formuliert hat?


Es sind Bilder die natürlich mehr Fragen stellen, als sie Antworten bereit stellen. Aber das ist schließlich nicht der schlechteste Sinn von Kunst überhaupt.


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